Hoch hinaus – Tannheimer Radmarathon 2025

Wow. Was für ein Ritt war das den bitte? Überlebt, am Ziel angekommen aber auch (mental) am Ende. Der Rad Marathon Tannheimer Tal 2025. Mein erster Radmarathon überhaupt und meine ersten Alpenpässe und nicht nur die damit verbundenen langen Anstiege, sondern auch Abfahrten. Eine Mammutaufgabe, die mich auch zum ersten Mal Mental herausgefordert hat. Ein Kampf mit Mir selbst und meinen eigenen Limits. Entschieden habe ich mich für die Königsetappe. In Zahlen bedeutet das

  • 213KM
  • 3 Alpenpässe (Riedberg-, Hochtannberg- und Gaichtpass)
  • 3.500 Höhenmeter

Wir gehen rein, ein kleiner Recap! Viel Spass, seid gnädig mit mir!

Wir Gemeinsam

Fangen wir „klein“ an. Grundsätzlich bin ich Dankbar, dass Frau und Kind das alles mitmachen, auch meine ganzen Trainings unter der Woche. Es ist nicht selbstverständlich, auch wenn man natürlich immer bemüht ist es in „Leerlaufzeiten“ einzutakten.

Trotzdem begleiten die Beiden mich immer wieder gern auf meine Wettkämpfe oder Veranstaltungen. So auch hier. Ich hatte mich schon frühzeitig für das Event angemeldet und so entschieden wir uns bereits früh, dass wir das komplette Wochenende im Tannheimer Tal verbringen wollten. So haben wir uns von Freitag bis Sonntag in Zöbeln im dortigen Gasthof Alpenrose eingemietet.

Den Gasthof selbst kannte ich, weil meine Oma und mein Opa schon mit mir als Kind nach Bergtouren hier öfter mal eingekehrt sind *zwinker*.

Klar. Tannheim bzw. das Tannheimer Tal ist jetzt nicht so weit von mir zu Hause entfernt. Ne gute Stunde Autofahrt. Also alles in Schlagdistanz, aber so ist es halt deutlich entspannter und wir hatten gleich noch ein wenig Family-Time.

Der Radmarathon findet am Sonntag statt. So reisten wir am Freitag Abend nach der Arbeit an und konnten ganz entspannt am Samstag zur Startnummernausgabe gehen.

Langeweile kam danach trotzdem nicht auf. Die Veranstaltung selbst bietet schon genug Rahmenprogram und ansonsten hat man drumherum natürlich die Möglichkeit die Berge zu erkunden, was wir dann auch gemacht haben. Wenn auch Faul mit der Bahn, aber mit nem 3-Jährigen ne Bergtour ist so ne Sache wenn Ihr nen Ausblick genießen wollt und nicht nach 20HM „Papa tragen!“ hören wollt. Und nach 4-Wochen Japan hatte ich meine Kraxe verkauft *lach*

Am Samstagabend, gestärkt durch Nudeln und dem ein oder anderen Hopfen-Mischgetränk ging es dann für mich ab ins Bett. Ich sollte am nächsten Tag ja noch was vorhaben *lach*

Im übrigen noch etwas zum Radmarathon bzw. den Tagen davor. Es wird quasi eine komplette Eventwoche daraus gemacht. Radbegeisterte können mit dem Schirmherr, dem ehem. Tour de France-Fahrer Marcel Wüst fast täglich irgendwelche Runden rund ums Tannheimer Tal und den Allgäuer Alpen drehen. Programmübersicht RAD-MARATHON Tannheimer Tal 2026 | Rad Marathon

Lobhudelei

Bevor wir hier richtig einsteigen noch ein dickes Lob. Egal ob in Tannheim oder auch später auf der Strecke. Der Wahnsinn was hier geleistet wird. Auch die Behörden (Polizei, Feuerwehr, Rotes Kreuz THW usw.) Länderübergreifend (DE/AT)! Es ist nahezu alles Perfekt organisiert.

Die Verpflegungspunkte lassen keine wünsche Offen. Abgesperrt ist nur das Tannheimer Tal zu Beginn, danach mischt es sich mit dem Straßenverkehr. ABER da muss ich auch sagen. An jedem Kreisverkehr, an jeder Zufahrt steht jemand. Egal ob die Polizei am Kreisverkehr den PKW-Verkehr regelt wenn Du mit dem Rad ankommst oder freiwillige Helfer die Zufahrten der Nebenstraßen absichern. Alles ist geregelt. Ganz stark!

Wenn also nur irgendwer sich mal Ansatzweise frägt wo das Startgeld hin geht… Macht die Äuglein auf. Einziges Manko: Im Gegensatz zu anderen Marathons gibt’s am Ende keine Medaille etc. für die Sammlung zu Hause. Für mich aber nicht schlimm.

Es geht los es geht los heute Nacht!

4:30 Uhr. Der Wecker klingelt. Neben mir im Bett schnarcht zwischen mir und meiner Frau noch unser „Kleiner“. Irgendwann um 2 Uhr Nachts ist dieser mal eingeschlafen. Nicht in seinem Bett, sondern bei uns. Ich hab von dieser Odyssee (Nachts mit dem Kinderwagen durch Zöbeln *oha*) davon wenig mitbekommen. Wenn ich schlaf, dann schlaf ich. Für meine Frau oftmals Fluch und Segen zugleich *doh*.

Egal. Am Vorabend habe ich alles bereits Vorbereitet, sodass ich schnell aus dem Zimmer kam. Der Gasthof weiß um seine Gäste, und richtet an diesem Tag bereits ab 4:00 Uhr Frühstück *top*.

5:10 Uhr. Ich packe mein Rad und mach mich auf dem Weg nach Tannheim. 15 Minuten braucht man dafür etwa vom Gasthof aus. Start war um 6:00 Uhr. Bereits auf dem Weg nach Tannheim sah man schon die Autoschlange durchs Tal.

Auch die ein oder Anderen mit dem Bike gesellten sich dazu. Um ca. 5:30 Uhr war ich im Startblock. Nicht erste Reihe, aber auch nicht weit Hinten. Start war um 6:00 Uhr. Easy. Mein Puls stieg langsam, gepaart mit viel Vorfreude.

Funfact: Ich bin davor mit dem Rad noch nie Alpenpässe gefahren. Ja, ich bin ausm Allgäu und ja ich kann Höhenmeter, aber so ein Pass ist halt nochmal was anderes. Davor und vor allem vor der Abfahrt hatte ich nen heiden Respekt. Aber gut… ich mach öfter mal „so ein Scheiß“.

Als ich das erste Mal 200KM+ fuhr, war ich davor überhaupt nur maximal 70km Runden gefahren. Das klappte damals auch, also „wird es hier schon auch „schiefgehen““ .

Mein Ziel? Durchkommen. Kein Sturz. Überleben. Nicht Letzter werden. Zielzeit hatte ich keine, da ich es überhaupt nicht einschätzen konnte. 8, 9, 10 Std.? Irgendwo da werde ich schon liegen.

Ich schau mir das jetzt einfach mal an und genieße die Fahrt“

Waren meine Worte am Tag davor zu meiner Frau. Glaub Sie hatte aber mehr Bammel um mich wegen den Abfahrten als ich *lach*.

Wo bin ich hier? Tour de France?

Pünktlich wie ein Schweizer Uhrwerk um 6:00 Uhr gings los. Start! Am Anfang noch zahm anrollend aufgrund der vielen Teilnehmer und engen Straßen, ging es raus aus Tannheim. Eine kleine Schleife über Grän um dann wieder vorbei an Tannheim raus aus dem Tal rüber ins Allgäu zu fahren.

Schon auf den ersten KM waren meine Gedanken so „Okay, was geht hier ab Leute?“. Die Ersten und ich muss es so sagen „Spacken“ sind durchs Feld gepflügt. Mit Körperkontakt, komplett Harakiri und ohne Rücksicht, Hauptsache nach vorne Dampfen zum Unmut der anderen Beteiligten. „Du Volldepp“, „So ein Seggl!“ usw. waren keine seltene Aussagen.

Abgesehen davon war der Schnitt was gefahren wurde, dann auch später im Allgäuer Teil schon – für meine Verhältnisse – brutal hoch.

Ja, man fährt hier natürlich in einer großen Gruppe mit viel Windschatten. Aber auf den ersten 40km hatte ich einen Schnitt von 35 KM/h. Ich mein… 35 WTF.

Dachte mir nur so

Leute, wir haben noch knapp 3.200 Höhenmeter vor uns, wollt Ihr mich eigentlich verarschen, wo bin ich hier? Bei der Tour de France?

Versteht mich nicht falsch, ich fühlte mich – trotz des Tempos – gut, aber hatte eben auch im Hinterkopf was noch so vor mir liegen sollte.

Vielleicht mach ich mich auch immer kleiner als ich bin und man sah einfach schon, dass ich gar nicht so bescheiden im Form bin. Trotzdem. Mein Respekt war da und so lies ich Andere jenseits der 35 KM/h ballern und genoss das „gemütliche Mittelfeld“.

Die Spreu trennt sich

Nach den ersten 50KM passierten wir Immenstadt. Dort gab es auch den ersten Checkpoint bzw. die erste Verpflegungsstation, welche ich aber bewusst ausgelassen habe. Alle Weiteren sollte ich dann mitnehmen, dazu aber im Verlauf mehr. Kurz darauf trennte sich dann sprichwörltich die Spreu vom Weizen.

Von Immenstadt ging es über Gunzesried nach Obermeistelstein in Richtung Riedbergpass. Gerade Hinten raus aus Immenstadt, hoch nach Reute wartete der erste ekelhaftere Anstieg. Dort hat man dann schon gemerkt, jetzt wird’s ernst.

Die Schaltungen glühten, der Puls stieg. Atemgeräusche in der Luft. Das ein oder andere Fluchen hörbar. Das Feld zog sich enorm in die Länge, Lücken klafften auf. Ich fuhr die kleinen aber knackigen Anstiege (teilweise 16%+) in meinem Tempo weiter. Und was soll ich sagen, so scheisse war ich gar nicht. Ein paar die zuvor geballert hatten zogen wieder an mir vorbei… und zwar rückwärts.

Nach weiteren ca. 12 KM kam ich am Fuße des Riedbergpasses in Obermaiselstein an und kurz vor Passbeginn erreichte ich die nächste Verpflegungsstation.

Diese war natürlich gut besucht und auch ich machte dort meinen ersten Stopp um das erste Mal „aufzutanken“ und meine Flaschen zu füllen. Kurz bevor ich los wollte schoß der Rettungsdienst noch durch den Pass hoch. Im Nachgang hatte ich erfahren dass die zu dem Zeitpunkt die ersten schon über den Pass waren und es dort einen Sturz bei der Abfahrt gab.

Von all dem wusste ich zu dem Zeitpunkt aber nichts und ich füllte meine Flaschen auf und nahm einen Riegel zu mir. Bis dahin wurde auch ein irres Tempo vorgelegt, aber ab jetzt sollten die Höhenmeter purzeln.

(Mein) Erster Pass – Der Riedbergpass

Nach ca. 15 Minuten an der Verpflegungsstation ging es für mich weiter. Ja. 15 Minuten. Am Ende sollte das Grundsätzlich noch ein Thema werden mit den Zeiten an der Verpflegungsstationen, aber *so what*. Jetzt wartet erst Mal der erste Pass auf mich. Deutschlands höchster Bergpass wollte bezwungen werden, der Riedbergpass!

Vorbei an den Alphornbläsern direkt nach dem Tunnel gings auch schon los. Kleine Randstory: Vor mir ein Zweiergespann direkt nachdem die Steigung begann. „Ach, das geht schon, der ist nur 5KM lang. Das ist doch nichts!“. Ich hab die Beiden nie mehr auf der restlichen Fahrt gesehen *lach*.

Der Einstieg? Human. Nach ca. nen KM wird es aber schnell Ekelhaft. 12%+ über knapp 2 KM. Das ist dann schon ne Hausnummer. Der Kopf so:

Ich fuhr meinen Stiefel runter. Dabei bleib ich erstaunlich ruhig. Wir alle kennen es, wenn wir nach nem Anstieg völlig ausgepowert ankommen. Hier war es anders. Mein Puls beruhigte sich. Die Atmung wurde flacher. Der Körper hatte sich wohl darauf eingestellt wohlwissend, dass er hier nicht mehr so schnell rauskommen wird. Ich hatte mein Tempo gefunden.

Der Mittelteil in dem es wieder etwas „flacher“ wurde fühlte sich überhaupt nicht wirklich danach an. Es trat sich genau so schwer wie am steilen Stück davor. Der letzte KM – obwohl er nochmal Steil wurde – ging aber dann locker runter.

Mein Garmin Edge zeigte da schon das „Grüne Ende“ an und das motivierte mich natürlich. Das erste „Biest“ sollte gleich bezwungen sein.*bäm!*

Wahnsinn! Ich hätte vor allem nicht gedacht da so gut hoch zu kommen und war echt über mich selbst ein wenig überrascht.

Allein Allein I – Ich kann nemme

Nach der Passhöhe ging es direkt rein in die Abfahrt. Meiner ersten Abfahrt. Grundsätzlich gehe ich diese, ungeachtet der Länge, immer etwas konservativer an. Als Kind hatte ich mal einen Radunfall bergab, evtl. haftet das einfach noch.

Ich dosierte gut aus bremsen und laufen lassen. Wurde zwar auch überholt, aber Diejenigen waren dann gefühlt gleich doppelt so schnell. Nach der Abfahrt folgte direkt die nächste Verpflegungstation.

Auch diese wurde natürlich wieder angesteuert. Ich musste erstmal sacken lassen das ich gerade meinen ersten Pass gefahren bin. Auch hier war ich wieder so ca. 10-15 Minuten.

Frisch verpflegt ging es wieder zurück über die Grenze nach Österreich und weiter Richtung Bregenzer Wald. Der nächste Stopp sollte Au sein, bevor es hoch auf den Hochtannbergpass ging.

Bis dahin war es aber noch ein Stückchen. Ein richtig hartes Stückchen sollte ich herausstellen und mein erster Tiefpunkt nahte.

So fuhr ich die erste Passage (1) bis zur Abzweigung in die Bregenzerwaldstraße ziemlich allein. Dachte ich zumindest. Ich war so im Tunnel gewesen, das ich überhaupt nicht blickte was hinter mir so abläuft. So haben sich hinter mir noch andere Teilnehmer mit der Zeit angesammelt und ich führte den „Bus“ quasi an.

Problem: Ich hab das nicht gemerkt und fuhr da bisschen über meinen Verhältnissen. Später sagte man mir in Au auch „Du hast es ganz schön krachen lassen, hast uns gut gezogen“. Nun. Im Nachgang war ich aber auch ein wenig „pissed“ auf diejenigen und/aber auch auf mich selbst. Ich hab mich in der Zeit sozusagen totgefahren und konnte dann auch keinen Anschluss mehr halten als nach ca. 10KM sich mal einer erbarmte sich vor mich zu setzen. Die Gruppe fuhr somit allein weiter nach Au und ich war auf mich allein gestellt.

So fuhr ich von Mellau bis Au wirklich fast komplett allein. Die die ich „einkassierte„, waren selbst Blau und noch langsamer, die anderen die mich überholten waren so „frisch“ oder im Gespann unterwegs, so dass ich dort auch keinen Anschluss fand.

Dieses Stück hat mich also in diesem Moment komplett zermürbt. In den Beinen als auch im Kopf. Am Ende kam ich völlig kaputt in Au an. Dort hab ich dann erst Mal 20 Minuten Pause eingelegt und auch meine Frau kontaktiert. Nicht weil ich aufgeben wollte, sondern weil ich es in dem Moment gebraucht hab. Ich hatte wirklich ein Tief in diesem Moment.

Aber hilft ja nichts, es musste weitergehen! Ab nach Schoppernau und den kurz darauf beginnenden Einstieg in den Hochtannbergpass!

Hä? Mellau, Schoppernau? Ja… der Ohrwurm war auch present und lenkte mich ab *lach*

Tschu Tschu Wah – Der Hochtannbergpass

Das Profil das Ihr hier seht ist im Endeffekt die Erkenntnis, dass es bereits ab der Abbiegung in den Bregenzer Wald nur noch Bergauf ging. Der Checkpoint ist Au und kurz danach geht es in den Hochtannbergpass Anstieg. Am Ende also 45KM bergauf, 12KM davon Passstraße.

Wie man hier unschwer erkennen kann, der Pass ist bei weitem nicht so Steil wie der Riedbergpass, aber dafür lang. Endlos lang. Und wenn du denkst du hast es bald, kommen nochmal Kehren. Gut, ich kannte den Hochtannbergpass ja schon aber eben nicht mit dem Rad.

14 – verschissene – KM zog der Sack sich, die vor allem Oben raus nochmal richtig abfucken! Aber rollen wir das mal von Beginn an auf. Von Au weg geht es bis nach Schoppernau eigentlich noch „normal“ zu und nach einem kurzen Flachstück dachte ich mir der Anstieg zieht sich jetzt aber schon ein wenig länger. Da sah ich am Garmin Edge, dass ich bereits im Bergmodus und inmitten des Anstieges war. *ooookay*

Ich fuhr wie beim Riedbergpass wieder mein Stiefel, alles war gut. Meine Demotivation war quasi verflogen. Ich war wieder voll da! Keine Gruppen mehr, nur noch vereinzelte Fahrer die sich hoch kämpften. Alle fochten Ihren persönlichen Kampf dabei aus. Keiner war extrem schnell oder extrem langsam. Es war ein Geben und Nehmen zwischen den Teilnehmern. Jeder für Sich. Ab und an mal ein kurzes „puuuuh, zieht sich schon“ untereinander, dann wieder Fokus. Jemand wollte meine Socken haben „Ich bin der Akku“ steht da drauf. Ich wollte deren Socken haben, da waren Pizzastücke drauf. Galgenhumor inmitten der Anstrengung.

Gegen Ende war dann echt Angschlag, aber ich wusste wann es zuende ist und das hat echt geholfen. Nach all den Kilometern war ich dann oben. Passhöhe. *bäm!* Pass Nr. 2 feddich!

Nun hieß es: Jacke an und Abfahrt!

Abfahrt und Bergab war ab sofort das Motto. Den es ging nur noch Bergab. Lange. Sehr lange!

Wie man im nachfolgenden Bild sieht, von ca. KM 140 Passhöhe bis zu KM 200 in Weißenbach, das komplette Lechtal entlang nur Bergab.

Wer jetzt aber denkt: „Ja gut, da kann man’s ja nur noch rollen lassen„. Nein. Es war für mich nicht weniger zermürbend wie sich herausstellen sollte.

Allein Allein II – Taxi Driver

Mitten in der Abfahrt von der Passhöhe kam eine Verpflegungsstation. Die könnte man ggf. echt anders Planen, weil da schoss nicht nur ich fast dran vorbei.

Zum Glück hatte ich es rechtzeitig durch vor mir fahrende Teilnehmer erkannt und konnte einkehren, denn es gab warme Suppe *yummy*. Auch hier wieder, 10-15 Minuten Pause. Danach ging es weiter bis runter ins Lechtal.

Dort angekommen kam eigentlich gleich zu Beginn wieder eine Verpflegungsstation. Da ich oben am Berg vergessen hatte meine Flaschen aufzufüllen war das nochmal die Gelegenheit, obwohl ich es hätte im Nachgang gar nicht benötigt.

Die anschließenden 40 KM durch das Lechtal war ich… wie kanns anders ein… allein. Kurios: Ich sah nicht Mal mehr irgendjemanden. Vor mir keinen, hinter mir keinen. Es war zu dem Zeitpunkt ein einsames Rennen. Ich mit mir. Kein Anderer in Sicht. Ja, es ging „Bergab„. Permanent. Ich hatte aber bereits über 160 KM und 2 Alpenpässe in den Beinen. Zudem war schon Nachmittag und ein leichter Gegenwind wehte mir ins Gesicht. Der Tag war also schon lang und Anstrengend bis dato. Die Müdigkeit kickte so langsam und die Watt konnte ich nicht mehr hoch halten. Ich spulte stumpf KM um KM runter. Kann mich kaum erinnern was einem Kilometer davor war. Funktionierte halt einfach.

Dann, mitten in diese „Trance“ schreit mich Jemand plötzlich von hinten an.

„TAAAAXI!!!!! Häng dich dran, los!“

Ne geschlossene Gruppe, 3 Jungs, 2 Mädels. Teamtrikots. Schwäbischer Akzent (Kamen aus Nähe Heidenheim). Ein Segen! *Halleluja

Ich blieb nur Hinten dran, keine Arbeit nach Vorne. War froh den Anschluss gefunden zu haben und konnte etwas verschnaufen. Es war okay, die hatten Ihr Zugpferd der es gerne machte. Die letzten ca. 12 KM im Lechtal waren dann wieder Motivation tanken. Weniger Watt, höherer Schnitt. Taxi eben.

In Weißenbach angekommen wartete die letzte Verpflegungsstation auf mich. Es war mittlerweile schon späterer Nachmittag. Wir quatschen noch kurz und ich bedankte mich fürs „Mitnehmen„. War Ehrensache für die. Für mich nicht, ich bin noch nie irgendwo in ner Gruppe gefahren.

Am Ende fuhr ich weiter. Der Trupp wartete noch ein wenig. Gaichtpass. Das Ende naht.

Kleine Randnotiz: Hier haben wir dann im übrigen – von den Helfern der Verpflegungsstation – mitbekommen, dass die meisten Teilnehmer schon durch sind und sie so langsam zusammenpacken. Wir seien der Beginn des letzten Drittels gewesen. So wirklich hautnah gewusst wo ich liege oder ich mich befinde im Feld habe ich jedoch nie. Bis Au war noch recht viel los und bis dahin hatte ich auch fast immer die selben Mitstreiter in den Stationen angetroffen. Erst ab dem Hochtannbergpass zerstreute sich das alles. Auch die Anzahl derer an den Stationen nahm ab dort rapide ab. Ich denke, die Meisten fuhren ab Hochtannbergpass bis Weißenbach durch und nehmen die eng aufeinanderfolgenden Verpflegungen gar nicht mehr mit.

Die Kür – Der Gaichtpass

Nun. Von Weißenbach raus geht es direkt in den Gaichtpass rein und damit zurück ins Tannheimer Tal. Dorthin also, wo 9 Stunden davor alles begann.

Der Gaichtpass selbst ist an sich nicht mehr so wild. Allgemein sieht die Topologie hier schwieriger aus als sie sich tatsächlich anfühlt. Es gibt 2 kurze Rampen die ein wenig drücken, aber ansonsten fuhr sich dieser gut weg. Evtl. lag es auch daran, dass ich das Ziel schon vor Augen hatte.

Der unaufgeregteste Pass war somit recht schnell bezwungen. Aus der Gruppe die mich am Ende durchs Lechtal gezogen hab schloss nach der 2. Kehre einer auf mich auf. Wir sind dann gemeinsam bis zur Passhöhe gefahren wo er dann auf seine Truppe wartete.

Für mich hieß es Back im Lechtal. Endspurt Baby!

Feddich!

Im Lechtal schloss ich dann wieder auf eine Gruppe mit 3 weiteren Fahrern auf und wir sind die letzten KM gemeinsam zurück bis nach Tannheim gefahren. Jeder war irgendwie froh das es zuende ging. Eine Teilnehmerin haben wir gemeinsam noch Mental immer wieder etwas motivieren müssen, die war wirklich am Ende.

Und dann war es soweit. Nach 10,5 Std. Gesamtzeit und 8,5 Std. (unter 9 *juhu*) bin ich abgebogen in Richtung Zielbogen. Frau und Kind warteten schon sehnsüchtig und nahmen mich in Empfang.

What a Ride!

Am Ende war ich zwar platt aber eben nicht komplett zerstört. Jedoch einfach nur froh, glücklich und auf eine bestimmte Art stolz mein Limit wieder verschoben und es gepackt zu haben.

Niemals davor bin ich so viele Höhenmeter am Stück auf solch einer lange Strecke gefahren. Allgemein erst das dritte Mal über 200KM. Brutal!

Nachspeise

Nun. Was würde ich anders machen. Fahr ich nochmal? Definitiv! Zielzeit? Nun, ich denke <8 Std. sind schon drin.

Was ebenfalls meine Erkenntnis war: Es gab insgesamt 7 Verpflegungsstationen, wovon ich – ganz konservativ und bewusst – 6 mitgenommen hatte. Da ich überall 10 Minuten oder sogar auch Mal über 20 Minuten (Au) darin verbracht hatte, lies ich da viel – unnötige – Zeit liegen. Die kurze Zwischenpipipausen *lach* auf der Strecke abgezogen machte das fast 2 Std. an Pausenzeit. Zu lang im Nachgang. Würde ich erneut fahren, sähen meine Verpflegungen wie folgt aus:

  • Nach dem Riedperpass
  • Au
  • Lechtal Beginn
  • Weißenbach (optional)

Mehr brauchts eigentlich nicht bzw. je nach Witterung usw. kann man die anderen Mitnehmen, muss man aber nicht. Nun. Man wächst mit seiner Erfahrung. Ich komme wieder!

Ich bin raus, Cheers!

dasFLOSEN Verfasst von:

Meine Name ist Florian. Sternzeit -338000.22768670303. Der Nerd der "Familie Schickischmi". Beruflich bin ich technikbegeisterter Papiervernichter. Privat natürlich ebenso der Tekkie im Familienuniversum, der aber trotzdem viel Zeit Draussen und beim Knipsen verbringt. Mir kanns nicht kalt und vom Reiseziel nördlich genug sein. Würde ich wählen, würde ich lieber die schorfen Klippen vom Ende der Welt wählen, als irgendeinen Südsee-Strand. Ich nehm also lieber die -20°C als alles über 25°C

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