Manchmal fühlt sich ein Wochenende an wie ein längst vergessener Spielstand auf der Konsole von früher: Man lädt ihn, drückt auf Start – und plötzlich ist alles wieder da. Formel 1 97, meine Kindheit. Auf dem A1 bretten im Benneton von und mit Michael Schuhmacher. Nur dieses Mal sollte es real sein. Der reale Geruch von Gummi, das direkte Dröhnen der Motoren und dieses Kribbeln kurz vor dem Start. Spielberg 2021 war genau so ein Wochenende. Post-Corona, aber mit Vollgas! Der Vollständigkeit sei gesagt er heisst „Red Bull Ring“, aber in meinem Kopf wird das immer der A1 Ring bleiben.
Post-Corona & Unterkunft – Willkommen zurück im echten Leben
Die Formel-1-Saison 2021 war… nennen wir es mal patchwork. Nicht jedes Rennen fand statt, vieles wurde geschoben, neu sortiert. Österreich bekam dafür gleich zwei Rennwochenenden – und wir waren am ersten am Start beim Großer Preis von Österreich 2021. Nicht sicher ob es stattfinden wird oder odch wieder abgesagt entschieden wir uns im April für den Kauf der Tickets. Unser Rennwochende fand vom 02.-.04. Juli 2021 statt. 3 Wochen darauf vom 25. – 27.2 Juli 2021 sollte das nächste dort stattfinden. Wie gesagt, Post-Corona. Wilde Zeit.

Unsere Unterkunft lag in Schönberg-Lachtal – eigentlich ein klassisches Ski-Domizil. Im Winter Bretter unter den Füßen, im Sommer… Rucksack auf dem Rücken, Wanderstöcke in der Hand oder zu der Zeit eben Formel 1 unter der Nase.


Und genau das machte es perfekt. Alle Häuser waren mit Fans aus Europa ausgebucht. Alle mit 200% Party-Laune da zuvor ja bekanntlich nicht viel ging oder deren Länder sogar immer noch Ausgangssperren hatten.
Zur Party sag ich nur so viel: Wir hatten irgendwann ein Level erreicht auf dem uns Holländer als Belgier bezeichneten. Ich weiß jetzt nicht ob es daran lag, dass unsere Aussprache nicht mehr zu 100% funktionierte oder die Wahrnehmung der Holländer nicht mehr auf Höhe war. Ich denke mal es war eine Mischung aus Beidem. Der Rest bleibt (lieber) in Lachtal *lach*.
Vom Lachtal aus hat man grundsätzlich eine kurze Anfahrt zum Red Bull Ring. wenn ihrs genau wissen, keine 45 Minuten aber dafür ein perfektes Preis/Leistungsverhältnis. Direkt in Spielberg – außer evtl. den Zeltplätzen – ist das ziemlich unmöglich etwas bezahlbares zu bekommen.

Somit hieß es also für uns kurze Anfahrt zum Red Bull Ring, kein Stress, kein tägliches Parkplatz-Tetris. Zeitlich absolut entspannt.
Unterwegs war ich übrigens mit zwei Brüdern und deren Vater – also eine gesunde Mischung aus Fachsimpelei, Erinnerungen an „früher“ und dem gemeinsamen Staunen darüber, dass wir wirklich wieder live an der Strecke stehen. Ja korrekt. Die Brüder sind immer mal wieder dabei. Egal ob Konzerte in Spanien, Mondfinsternise in Raisting, Wrestling Veranstaltungen in Deutschland oder England, Reisen in ferne Länder. Wir machen viel mit den Beiden Jungs und jetzt eben mti deren sportbegeisterten Vater.
Das drumherum
Schon die Eingangskontrollen waren irgendwie surreal. QR-Code aus der Impf-App scannen lassen – das gab’s in Deutschland zu dem Zeitpunkt noch gar nicht. Ein kurzer Pieps, kurz Fiebermessen an der Stirn, ein Nicken, weitergehen. Fast futuristisch und dystopisch. Wie in einem dieser Filme ala Blade Runner, Equilibrium etc., in denen man sich denkt: „Ja klar, so wird’s mal laufen.“ *zwinker*
Drinnen? War eine pandemiebefreite Zone. Das Virus blieb quasi an den Eingangskontrollen stehen. Crazy Shit zu dem Zeitpunkt.
Unsere Plätze? Start-/Ziel-Gerade plus Blick auf Kurve 1 und direkt in die Boxengassen. Der sogenannte Nikki Lauda Turn. Mehr Überblick geht fast nicht. Du siehst den Start, die Bremspunkte, das Gerangel – und hast trotzdem das Gefühl, mittendrin zu sein.


Wenn man “Formel-1-Wochenende” sagt, denkt man sofort an Sonntag, Startampel, Strategie, Boxenfunk und dieses kollektive „Ohhh!“, wenn irgendwo einer später bremst als sein Schutzengel erlaubt. Aber ehrlich: Es ist an den Tagen davor fast schon ein kleines Festival, nur dass statt Gitarren eben Motoren die Lead-Stimme übernehmen.
Und das Rahmenprogramm war nicht nur Lückenfüller, sondern richtiges Motorsport-Buffet: jung, wild, laut, teilweise chaotisch – und genau deshalb so geil.
FIA Formula 3 – Nachwuchs ohne Rücksicht auf Tabellenstände
Die Formel 3 ist wie… sagen wir: ein Klassenfahrt-Bus, in dem vorne einer “ruhig bleiben” ruft und hinten fliegen schon die Gummibärchen. Nur dass hier eben 24 Autos in Kurve 1 stürzen und jeder glaubt, er wäre schon der Nächste da oben. Und am Red Bull Ring ist das besonders dankbar, weil die Strecke (scheinbar) übersichtlich ist – aber durch Höhenunterschiede, Bremspunkte und DRS-Zonen eben auch richtig fies sein kann. Und das alles gepaart mit ein paar Zentimeter Abstand zueinander bei Tempo 200+. Das ist schon verrückt sowas mal zu sehen.

Das Geile an der F3: Du bekommst echten Racing-Content. Keine „wir verwalten das jetzt mal“, sondern: Wenn eine Lücke da ist, wird sie genommen. Wenn keine da ist, wird sie erfunden. *zwinker*

Und Spielberg 2021 hatte davon reichlich. Die Runde bestand aus drei Rennen (zwei Sprint-Rennen am Samstag, Feature Race am Sonntag) – und genau dieses Format sorgt dafür, dass du ständig Action bekommen hast und nicht nur „Qualifying war spannend, Rennen war Prozession“. In Spielberg gewann u. a. Dennis Hauger eines der Sprint-Rennen und stand insgesamt fett im Fokus; das Feature Race gewann Frederik Vesti.

Für Zuschauer ist die F3 deshalb Gold wert: Du siehst die Talente, die später (vielleicht) in F2 und F1 landen – und du siehst auch, wer unter Druck Nerven aus Stahl hat oder eben… eher so “Nerven aus Götterspeise”. *lach*
W Series – “Formel Women” mit echtem Wettkampf, nicht nur Symbolik
Die “Formel Women” – offiziell war’s die W Series – die 2021 tatsächlich als F1-Undercard unterwegs war.
Und das war in Spielberg nicht einfach „nett fürs Programm“, sondern sportlich richtig interessant, weil hier viele Fahrerinnen sehr eng beieinander lagen und die Rennen oft von Positionkämpfen lebten, nicht von „wer hat das schnellste Auto“.


In genau diesem Spielberg-Wochenende (03. Juli 2021) gewann Jamie Chadwick – und zwar nicht irgendwie glücklich, sondern als klares Statement. Kurz gesagt, die Abstände hier waren dann schon größer als bei den anderen Formaten.

Was mir daran gefallen hat: Das war nicht dieses PR-Ding, wo man höflich klatscht und dann wieder zur “eigentlichen” Show schielt oder es als „Lückenfüller“ sah. Die W Series hat sich auf der Strecke Respekt erarbeitet, weil du gemerkt hast: Da wird gefahren, da wird verteidigt, da wird angegriffen – und wenn du auf der Tribüne sitzt, bist du automatisch drin.
Porsche Mobil 1 Supercup – der “GT3-Moment”, der dir die Ohren wackeln lässt
Und dann kam dieses Geräuschlevel, bei dem du plötzlich merkst, dass deine Ohrstöpsel eher so “symbolische Unterstützung” sind. Leck mich am Arsch waren die Laut!

Viele nennen das im Kopf schnell „GT3“, weil es eben nach Porsche klingt und nach “dicke Dinger mit ordentlich Krawall”. Streng genommen war’s am F1-Wochenende in Spielberg aber der Porsche Mobil 1 Supercup – also die 911 GT3 Cup-Autos, die als F1-Support-Serie fahren.

Und das ist ein komplett anderer Vibe als F1:
Keine Hybrid-Zurückhaltung, sondern volle mechanische Wucht. Du hörst quasi jeden Gangwechsel, jeden Lastwechsel und wenn die am Start anrollen, fühlt sich das an, als würde jemand den Lautstärkeregler einfach über die Skala hinaus drehen.

Der Supercup ist außerdem sportlich dankbar, weil es oft eng ist und der Red Bull Ring Überholmöglichkeiten bietet. 2021 war der Supercup dort sogar ebenfalls „Doppeltäter“: Spielberg hatte zu der Zeit diese zwei F1-Wochenenden hintereinander – und der Supercup hing als Support entsprechend mit drin.

Kurz gesagt: Wenn du einmal erlebt hast, wie sich so ein Feld 911er auf Start/Ziel gegenseitig anschreit, dann weißt du, warum die Tribünen bei Support-Rennen teilweise schon so voll sind. Das ist nicht “Vorgruppe”, die sind ihre eigenen Headliner.



Tribünen-Feeling: Warum das Rahmenprogramm live oft sogar “mehr” wirkt als F1
Jetzt kommt der spannende Teil: Die Formel 1 wirkt live manchmal leiser und “glatter”, als man es vom TV erwartet. Nicht weniger beeindruckend – aber anders.

Die Support-Serien (F3, Porsche, Formel-W) haben dagegen oft mehr Fahrzeuge im Pulk mehr “ich probier’s jetzt einfach”-Manöver und mehr akustischen Wahnsinn (besonders beim Supercup).
Und genau das machten die Tage rund um Freitag/Samstag so stark: Wir bekamen stundenlang Racing, ohne dass du das Gefühl zu haben, auf “den einen Moment” warten zu müssen.

Dazu kommt dieses typische Spielberg-Setting: Berge im Hintergrund, Wetter, das binnen Minuten von „Sommerurlaub“ auf „wo ist meine Jacke“ wechseln konnte, und Tribünen, die schon beim Rahmenprogramm richtig mitgehen. Und wenn dann am Sonntag die F1 kommt, bist du nicht “warm geworden” – du bist voll im Modus.
Der Renntag, es wurde ernst
Wenn Motorsport zur Live-Kinoshow wird. Am Sonntag in Spielberg war klar: Heute geht’s nicht nur um Rundenzeiten und Strategien – heute pulsiert alles, was an diesem Wochenende am Red Bull Ring passiert ist. Von der ersten Sekunde an: Action, Atmosphäre, Adrenalin.
Morgendämmerung am Ring – Ruhe vor dem Sturm
Schon früh am Morgen brodelte es auf dem Parkplatz, denn mit über 132.000 Zuschauern war der Große Preis von Österreich ein echtes Highlight zumal es das erste Rennen auf europäischen Boden war nach Corona. Die Tribünen füllten sich schnell – besonders die Bereiche rund um Start/Ziel und die Kurve 1 (Niki-Lauda-Turn) waren rappelvoll. Das ist genau dieser Punkt an der Strecke, an dem du alles gleichzeitig siehst: Start, Beschleunigung, Bremsmanöver, die erste große Positionenschlacht. Wenn die Wagen dort herauskommen, spürst du die G-Kräfte nicht nur im Sitz, sondern auch ein bisschen im Inneren. Und das beste. Wir mitten drin.

Die Show vor der Show – Flugzeuge, Hubschrauber & Fallschirmspringer
Bevor sich die 20 Formel-1-Boliden überhaupt ein einziges Mal in die Startaufstellung einreihten, begann Spielberg seine ganz eigene Open-Air-Premiere:
Flugzeuge flogen über der Strecke – präzise Formationen, tief über die Start/Ziel-Gerade, synchronisiert wie aus einem Jerry Bruckenheimer-Actionfilm. Blendet hier die Amerikanische Flagge ein und es ist perfekt *lach*



Damit nicht genug. Hubschrauber kreisten über den Tribünen – nicht nur als Luft-Taxi, sondern als Teil der Inszenierung; das schafft so ein „Jetzt passiert gleich was Großes“-Gefühl, das du am Fernseher nie bekommst.


Kurz vor dem Start: Fallschirmspringer landeten – direkt auf dem Infield. Ein bisschen wie in diesem einen Szene, wo der Held überall gleichzeitig auftaucht. Nur, dass hier keine Superkräfte nötig waren – nur Mut und gutes Timing. Es ist halt eben ein Zirkus, ein Formel 1 Zirkus.

Diese Acts waren kein gewöhnliches Programm, sondern ein atmosphärisches „Jetzt erinnern wir dich daran, warum du hier bist“ – live, lautstark und mit dem Adrenalinschub, den so ein F1-Wochenende verdient.
Die Fans – Warum die Dutch-Tribüne ein eigenes Universum war
Ein ganz besonderes Highlight, vor allem aus Sicht unseres Tribünen-Standorts an Start/Ziel: Die niederländischen Fans hatten eine eigene Fantribüne aufgebaut – man hörte sie schon lange, bevor man sie sah. Orange wie ein Sonnenuntergang, der permanent leuchtet. zwinker
Diese „Dutch-Tribüne“ war keine offizielle F1-Tribüne, sondern eine Gemeinschaftsskulptur aus Leidenschaft, Fahnen, Trommeln und Gesängen, die jeden Verstappen-Auftritt zu einem Heimspiel-Feeling machte – besonders, wenn er dann wirklich vorne war und die Menge explodierte.

Warum gerade die Niederländer so laut waren? Zum einen war 2021 eine Phase, in der Max Verstappen als Titelanwärter galt und bei jedem Heimspiel der Red Bull Racing-Truppe von einer wahren Orangen-Welle unterstützt wurde – was sich in Spielberg zu einer richtigen Fan-Wall formierte.


Startphase – Gelblicht aus, Motorengebrüll an
Als um Punkt Startzeit die Ampeln in Rot übergingen und wieder auf Grün, war es nicht nur ein akustischer Schlag – es war ein Gebrüll: Motoren, Reifen, Fans.

Ein bisschen so, als würdest du direkt neben einem Orchester stehen, das statt Violinen V12-Explosionen spielt. Max Verstappen, der schon von der Pole Position gestartet war, führte das Feld entschlossen an und ließ bis zur Zieldurchfahrt keine echte Chance auf einen Angriff zu.
Für alle, die am Niki-Lauda-Turn standen, war es ein perfekter Punkt: Die Wagen rauschen bergauf, die Bremspunkte liegen eng, und du siehst jede Sekunde, wie sie kämpfen, schieben, Luft aufreißen. Genau dort war der Moment, in dem „Fernsehen“ und „Live“ auseinanderdriften: Du spürst Erschütterungen, hörst jede Gangstufe und riechst Kaltlauf-Bremsen.
Max Verstappe dominierte überraschend klar, führte von der ersten Runde bis zur letzten – und sicherte sich neben dem Sieg auch die schnellste Runde des Rennens.
Fazit
Das wars. Ich kann gar nicht alle Bilder hier posten, darum noch ein paar Highlights, viele der „Mitzieher“ habt Ihr ja während des Artikels schon gesehen. Es war definitiv ein sehr cooles Erlebnis. Nichts was ich jetzt jedes Jahr wiederholen würde aber wer weiss… vielleicht irgendwann mal in den nächsten 1-2 Jahrzehnten irgendwo anders auf der Welt… y not.










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