Auf Rehkitzsuche mit der DJI Mavic 2 Enterprise

Ich unterstütze im Unterallgäu – genauer gesagt direkt in meiner Nachbarschaft – die lokalen Jäger bei der Suche nach kleinen Rehkitzen mithilfe einer Drohne. Irgendwie hat sich wohl herumgesprochen, dass da ein kleiner Drohnenpilot in seinem Kämmerlein sitzt … und so wurde ich gefragt, ob ich nicht Interesse hätte. *Y not*. Flieg ja selber ne DJI Mavic 2 Pro und DJI Mini 5 Pro. Ich habe zugesagt.

Und bevor jetzt weitere Fragen aufkommen: Das Ganze passiert ehrenamtlich. Sowohl von meiner Seite aus als auch von allen anderen Helfern. Denn ein Jäger und eine Drohne allein richten noch nicht viel aus. Die Drohne ist eine wertvolle Ergänzung, übernimmt aber keinesfalls die eigentliche Arbeit – das systematische Ablaufen des jeweiligen Feldes.

Das sei an der Stelle auch noch erwähnt: Mit der Jagd selbst habe ich eigentlich nichts am Hut. Ich fliege einfach gern Drohne. Und wenn man diese Skills sinnvoll einbringen kann und dabei auch noch das ein oder andere Tier rettet – warum nicht.

Auf dem nachfolgenden Bild seht Ihr unser Haus und die umliegenden Felder, die natürlich ebenfalls abgeflogen werden. Heimspiel sozusagen. Bedeutet aber auch – ich bin damit aufgewachsen, dass diese Felder regelmäßig durchkämmt wurden, und habe das schon als Kind miterlebt. Jetzt bin ich selbst ein Teil davon. *yeah*

Insgesamt sind wir ein Pool aus 3 Drohnenpiloten. Je nachdem wie es bei den Einzelnen beruflich und zeitlich aussieht, hat man also zumeist einen Piloten. Das gilt auch für die freiwilligen Helfer. Nicht jeder der mit durch die Felder streift geht auf die Jagd.

Wann wird gesucht?

Man kann sagen im April und Mai ist die Hauptzeit, in der Rehkitze geboren werden. Mittlerweile weiß ich – als aufmerksamer Zuhörer wenn die Jäger untereinander reden *lach* – es ist die sogenannte Setzzeit, weshalb man in Wiesen und Feldern vermehrt Kitze auffindet. Diese verhalten sich instinktiv, ducken und tarnen sich. Sie sind dabei nicht verlassen, die Mutter ist zwar zumeist nah, aber versteckt.

Kaum zu erkennen ohne Drohne im hohen Gras. Fraglich ob man es beim Ablaufen gefunden hätte

Für Jäger und Landwirte bedeutet diese Zeit besondere Aufmerksamkeit. Die Kitze müssen vor dem Mähtod geschützt werden und genau da kommen wir ins Spiel. Man läuft grundsätzlich die Felder ab. Aufgereiht in engen Abständen um kein Kitz zu übersehen. Die Drohne hilft hier natürlich extrem da wir evtl. dann doch mehr sehen als am Boden gesehen wird.

Jetzt kann man sich natürlich auch fragen, wieso die Kitze in den Feldern liegen. Die Mütter säugen dort oft die Kitze, bleiben aber dann nicht direkt in der Nähe um keine Feinde anzulocken.

Der ganze Suchvorgang ist im Übrigen auch nicht einmalig. Wir fliegen in diesen Monaten die Felder durchaus mehrmals ab. Gras wächst nun Mal und daher eingehend wird auch öfter gemäht. Fly, Save, Repeat sozusagen.

Wie läuft das ab?

Erst mal heißt es: hoffen, dass sich die Landwirte rechtzeitig melden. Dann geht’s früh los – meist gegen 4:00 Uhr, je nach Anzahl der Felder.

Das kleine Problem dabei: Ein Landwirt mäht selten allein. Und sobald sich herumspricht, dass wir mit der Drohne unterwegs sind, meldet sich der ein oder andere „spontan“ noch beim Jäger am Handy. So kommt es schon mal vor, dass aus den geplanten drei Feldern plötzlich fünf oder sechs werden. Alles noch vor der Arbeit, alles freiwillig.

Ausgestattet sind wir u.a. mit Walkie-Talkies – wie in den besten Agentenfilmen. Klingt etwas over the top, hat sich aber absolut bewährt, da ich als Drohnenpilot in der Regel nicht mit durchs Feld laufe.

Die Jäger und Helfer gehen dann unter der Drohne in bestimmten Abständen und sauber in einer Linie aufgereiht durchs Feld. Sobald ich auf dem Drohnenbild etwas Auffälliges erkenne, stoppe ich die Drohne und lotse einen der Helfer gezielt zum Punkt.


Als Rückmeldung bekomme ich dann entweder ein: „Uuuh, süß, ich hab eins!“ oder „Ja sackra, scho wieder a Maderloch!“ *lach*

Dazu später noch mehr – hier aber erst mal ein kurzer Auszug, wie das Ganze auf dem Display aussieht.

Sind wir alle Wegpunkte abgeflogen hole ich die Drohne zurück, wechsle gleich den Akku und hänge den verbrauchten Akku ans Ladekabel im Auto. Man benötigt zwischen 30% und 70% Akku je Feld. Danach gibt der Jäger das nächste Feld durch und wir fahren geschlossen zum nächsten.

Jeder Punkt ein Treffer?

Nein. Es gibt Felder da finden wir gar nichts und es gibt Felder da schicke ich die Helfer an zick Punkte und keines davon ist ein Rehkitz. Grundsätzlich weiss der Jäger natürlich die Felder in denen das Potential hoch ist etwas zu finden, aber jedes Feld wird so behandelt als könnte trotzdem ein Kitz drin liegen.

Für mich bedeutet das starren auf das Drohnenbild aber trotzdem: Marderlöcher, verlassene frische Liegestellen, Ansammlung von Unkraut, Katzen. Es ist nicht wirklich immer zu unterscheiden. Wichtig ist aber: Lieber 1 x zu viel als 1 x zu wenig. Am Ende geht es um das Kitz das wir evtl. retten.

Gefunden! Und jetzt?

Gute Frage. Das wissen natürlich nicht alle.

Wird ein Kitz gefunden, wird es mit ausreichend umliegenden Grasbüscheln vorsichtig in Sicherheit gebracht. Wichtig dabei: Wir Menschen dürfen es nicht direkt berühren. Am Besten trägt man Handschuhe. So wird kein fremder Geruch übertragen und man läuft nicht Gefahr, dass das Kitz später von der Mutter verstoßen wird.

Der Jäger bringt das Kitz in der Regel an einen nahegelegenen Waldrand. Dort wird es entsprechend gesichert.

Warum das so wichtig ist? Wir laufen ein Feld oft schon gegen 4:00 Uhr morgens ab, schließlich liegen meist noch mehrere weitere Flächen vor uns. Sind wir fertig, geben wir dem zuständigen Landwirt Bescheid. Nun kann es aber sein, dass dieser noch mitten in der Stallarbeit steckt und erst gegen 6:00 oder 7:00 Uhr mit dem Mähen beginnt. So lange können wir natürlich nicht warten – wir sind dann längst beim nächsten Feld.

Würde man das Kitz jetzt lediglich am Waldrand absetzen, wäre die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es bis zum Mähbeginn wieder zurück ins Feld läuft – mit fatalem Ausgang. Den Abend würde es dann vermutlich nicht mehr erleben.

Deshalb bringt der Jäger die Kitze an ausgewählte Stellen, die zudem vor Witterungseinflüssen wie Sonne geschützt sind. Sobald der Jäger später vom Landwirt wieder Bescheid bekommt, dass das Mähen abgeschlossen ist, werden die Kitze selbstverständlich wieder entlassen.

Wie funktioniert das technisch?

Wir fliegen hier mit einer umgebauten DJI Mavic 2 Enterprise. Diese hat sozusagen eine Thermografie-Kamera. Das Bild wirkt somit wie ein Schwarz/Weiss-Bild.

Warme Punkte werden hell und leuchtend weiß angezeigt, kühle Punkte dunkel. Nachts und in den frühen Morgenstunden ergibt das ein sehr gutes kontrastreiches Bild und gerade dann lassen sich die körperwarmen Kitze sehr gut erkennen.

Damit wir uns nicht noch auf das genaue abfliegen konzentrieren müssen, wurde jedes Feld zuvor per GPS erfasst.

Bedeutet:

  • Wegpunkte laden
  • Losfliegen
  • Stoppen wenn etwas entdeckt wird
  • Die „Abläufer“ dahin lotsen
  • (optional) bei großen Feldern zwischenlandungen einbauen um den Akku zu tauschen
  • Repeat

Das alles mit einem gewissen Zeitdruck, da nach Sonnenaufgang die Sicht immer schlechter wird. Der Boden erwärmt sich dann, die Kontraste werden weniger sichtbar. Wir sehen dann immer mehr „rote“ Bereiche auf dem Bildschirm. Das Ganze fängt schon an sobald die Sonne über den Horizont kommt.

So… thats it. Ich hoffe ich konnte Euch ein wenig mitnehmen auf diese Tätigkeit und warum es dann doch ganz cool ist eine Drohne steuern zu können 🙂

dasFLOSEN Verfasst von:

Meine Name ist Florian. Sternzeit -338000.22768670303. Der Nerd der "Familie Schickischmi". Beruflich bin ich technikbegeisterter Papiervernichter. Privat natürlich ebenso der Tekkie im Familienuniversum, der aber trotzdem viel Zeit Draussen und beim Knipsen verbringt. Mir kanns nicht kalt und vom Reiseziel nördlich genug sein. Würde ich wählen, würde ich lieber die schorfen Klippen vom Ende der Welt wählen, als irgendeinen Südsee-Strand. Ich nehm also lieber die -20°C als alles über 25°C

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