Bodensee Radmarathon 2025 – GameOver

Nach dem Allgäuer Radmarathon, dem Tannheimer Radmarathon und der Allgäu Rundfahrt sollte der Bodensee Radmarathon 2025 mein großer Abschluss werden. Am 13. September 25 ging es auf 220 KM rund um den Bodensee. Die sogenannte Gold-Tour stand an!

Das Streckenprofil überschaubar was die Höhenmeter anging.

Man kann an allen eingezeichneten Checkpoints die Tour beginnen. Ich hatte mich für Kressbronn entschieden. Wie man am Profil erkennt, hätte ich dann so ziemlich bis KM 110/120 dann nur noch ein flaches Profil, ehe es dann erst nach der Fähre in Meersburg wieder in einen wirklichen Anstieg gehen sollte. Eine Woche später wäre ich zudem in Kressbronn an selber Stelle zu meinem ersten Halbmarathonwettkampf gestartet. Wäre… dazu aber gleich mehr.

Es gibt für die Tour sogenannte „Richtzeiten“ zwischen den Checkpoints.

Aufgrund der Erfahrung im Tannheimer Radmarathon schmiedete ich einen „7 Std. Plan“ und nahm dieses Mal genügend Verpflegung mit. Der Plan war deutlich weniger Zeit in den Checkpoints zu verbringen.

Es war also angerichtet. Schuhe geputzt, Verpflegung eingepackt. Arschcreme aufgetragen und Schlechtwetterklamotten im Gepäck.

Am 13. September früh am Morgen brach ich somit auf in Richtung Kressbronn.

Lets go!

Um ca. 6:45 Uhr holte ich dann meine Startunterlagen ab. Vor Ort traf ich noch kurz „die Elite“ *zwinker* bevor es für mich dann allein los ging. Ich wollte mein Stiefel durchziehen und mit 90% der Anderen kann ich eh nicht mithalten.

Um ca. 7:15 Uhr war die „869“ dann on the Road!

Zunächst ging es von Kressbronn über die Apfelplantagen ins Hinterland in Richtung Österreich. Das erste Ziel sollte Bregenz und danach der erste Checkpoint in der Schweiz bei Altenrhein sein. Die Temperatur war angenehm und von Oben herab wars trocken. Ideale Bedingungen. Geschmeidig wie eine gut geölte Maschine spulte ich die ersten Kilometer runter und nahm Kurs auf Bregenz. Es lief echt gut!

Von der Anhöhe bei Hörbranz ging es dann Bergab in Richtung Seeufer nach Bregenz. Der bergige Teil war somit erstmal abgehakt! Ab jetzt hielten sich die Anstiege in Grenzen.

Ich fuhr auf der dortigen Straße. Verkehr war kaum vorhanden, es war ja noch früh am Morgen. Perfekt! Die paar Autos auf der wenig befahrenen Straße waren kein Problem und dort wo es ging fuhr ich sowieso auf dem Radweg.

Everything Ends

Nun. Kommen wir zum spannendsten Teil der Rundfahrt und dafür muss ich kurz ausholen. Von Hörbranz runter in Richtung Seeufer und über die Hauptstraße nach Bregenz passiert man eine Ampel bei Lochau. Ich hatte Grün und konnte quasi voll durchziehen. Bergab, mit weit über 40 km/h. Vor mir fuhr eine weitere Teilnehmergruppe. Die waren etwas langsamer unterwegs und ich konnte mich langsam heranprischen.

In Richtung Bregenz überholte mich dann ein dunkler PKW. Dieser wollte ebenfalls noch die Gruppe vor mir überholen, merkte dann aber, dass Gegenverkehr aus Bregenz kam, und setzte sich zwischen mich und die Gruppe.

Nun. Ab jetzt schwelge ich in Vermutungen und Erinnerungsfetzen, denn die nächsten Sekunden fehlen mir bis Heute.

Auszug Polizeitbericht

Ich bekam noch mit, dass er stark abbremste. Wie gesagt: Ich hatte gut 40 km/h drauf, die Gruppe vor mir war langsamer. Der PKW bremste jedoch massiv runter. Wie weit … keine Ahnung. 20? Sein Heck kam jedenfalls verdammt schnell und sehr nah.

Ich hatte dann quasi drei Optionen:

  • Links ausweichen → direkt in den Gegenverkehr *schlecht*
  • Bremsen → bei der Geschwindigkeit und dem Abstand wäre ich direkt in seiner Heckscheibe gelandet *klang auch nicht besser*
  • Nach rechts ausweichen → solide Entscheidung, dort ist ein schmaler Radstreifen *machenwa!*

Ich wählte also rechts ausweichen.

Ich bin bestimmt schon hundertmal irgendwelche Randsteine hochgefahren. Der Radstreifen hatte eine Erhöhung von etwa 2-3 cm. Ich denke, ich bin in der Situation mit einem zu flachen Winkel hochgefahren – und zack: Das Vorderrad war weg.

Neben dem Radstreifen verläuft die Bahnstrecke Lindau–Bregenz, abgesichert durch ein Stahlgeländer. Ich kam direkt zwischen zwei Pfosten auf, sodass sich mein Bein oder sonst etwas nirgends verfangen konnte. An mehr erinnere ich mich nicht. Ich weiß erst wieder etwas, als ich auf dem Boden lag.

Ein unbeteiligter Radler, der von Lindau nach Bregenz unterwegs war, sah den Unfall und kam sofort zu mir gefahren. Ein Auto hinter mir blieb ebenfalls stehen, und dessen Fahrer kam auch direkt zu mir gelaufen. Nach ein paar Sekunden durchatmen konnte ich selbständig aufstehen – ohne wirklich zu begreifen, was gerade passiert war.

Was folgte: Notruf, Polizei, Krankenwagen. Weiterfahren war definitiv keine Option mehr.
Der Autofahrer? Fuhr weiter. Ja. *Mittelfinger*

Die beiden Zeugen sagten später bei der Polizei unabhängig voneinander dasselbe aus: Der Autofahrer bremste kurz, gab wieder Gas und fuhr davon. Dunkles Auto, Bregenzer Kennzeichen. Mehr wusste keiner. Der Autofahrer hinter mir kümmerte sich um mich, der unbeteiligte Radler ebenfalls. Anzeige gegen Unbekannt verlief sich später dann im Sand.

Krankenhaus, mein Bike und Rückfahrt

Ich wurde ins Landeskrankenhaus Bregenz eingeliefert. Der unbeteiligte Radfahrer nahm mein Bike mit – schließlich konnte ich das nicht im Krankenwagen transportieren.

Nach dem Säubern der Wunden und ein paar ersten, eher oberflächlichen Untersuchungen bekam ich die „Herbstkollektion“ des Bregenzer Krankenhauses angezogen. Alles andere war schlicht zerfetzt. Ohne Schmerzmittel und mit meinen Radsachen in einem Plastikbeutel wurde ich nach knapp einer Stunde wieder entlassen.

Völlig desillusioniert humpelte ich zurück zum Empfang.
Empfangsdame: „Oh, da sind Sie ja wieder. Können wir noch etwas für Sie tun?“
Ich: „Ähm … ja. Ich muss nach Kressbronn zurück und habe keine Ahnung, wie ich das anstellen soll.“
Empfangsdame: „Kein Problem, 200 m von hier fährt ein Bus. Damit zum Bahnhof, dann nach Lindau und von dort weiter nach Kressbronn.“

Ja, danke auch, hätte ich niemals gepackt!

Mir kam dann in den Sinn, dass ich noch zwei IBU in der Satteltasche hatte – für den Notfall. Eine Woche zuvor hatte ich mich bei der Montage meiner PV-Anlage etwas „verhoben“. Wenn das jetzt kein Notfall war … Und so humpelte ich also zur besagten Bushaltestelle.

Auf dem Weg dorthin rief mich ein Schweizer Streckenposten an. Er hatte mittlerweile mein Rad. Er hatte von dem Unfall durch andere Teilnehmer gehört und war direkt losgefahren. Vor Ort sah er den Radler, der mein Bike schob, nahm es auf und holte mich schließlich am Krankenhaus ab. Er brachte mich zurück nach Kressbronn.

Heimfahrt & Schock

Wahrscheinlich mit einer Mischung aus Schock, immer noch Adrenalin und der Wirkung von IBU rief ich zu Hause an und sagte, ich fahre jetzt los. Wir waren die komplette Fahrt über per Telefon verbunden. Im Nachgang betrachtet: Trotzdem totaler Quatsch.

Zu Hause angekommen konnte ich nicht einmal mehr selbst aussteigen. Es war ein Wunder, dass Gas- und Bremsbewegungen überhaupt funktionierten – und das aber tatsächlich fast schmerzfrei.

Garmin-Engel

Frau ist auch ein gutes Stichwort.

Ich bin tief im Garmin-Ökosystem verwurzelt und manchmal hat man ja diese Situationen, in denen die Uhr oder der Edge einen Notruf auflöst. Einfach so. Auch dieses Mal war das so: Sowohl mein Edge als auch meine Uhr haben sofort einen Notruf ausgelöst und die Daten an meine Frau gesendet.

Da die Uhrzeit ungewöhnlich war, rief sie auch sofort an – auch weil ich mich nicht sofort gemeldet hatte. Normalerweise schreibe ich immer „Sry, Fehlalarm“. Diesmal nicht. Ihr Gefühl sagte Ihr gleihc „da passt was nicht“. So wusste sie jedoch gleich Bescheid und hätte im Zweifel selbst den Notruf kontaktieren können – inklusive meiner GPS-Daten.

Kurz gesagt: Es ist nicht verkehrt solche Utensilien dabei zu haben und zu nutzen. Nicht nur fürs Tracking, sondern ganz konkret für den Ernstfall. Welches Ökosystem spielt dabei keine Rolle.

Die Odysee

Jo. Damit war klar: Game over.
Mein Jahr war gelaufen. Der Bodensee Halbmarathon in der kommenden Woche -> Abgesagt. Einsteinlauf in Ulm -> Abgesagt. Memminger Alstadtlauf -> Abgesagt. Buxachtallauf -> Abgesagt. *Leckomio!*

Was folgte, war eine lange Odyssee aus Krankenhausaufenthalten, Punktierungen und Physiotherapie – und die ist zum jetzigen Zeitpunkt immer noch nicht abgeschlossen.

Ich hatte Frakturen an den Fingern (Teile meines Daumens sind bis Heute taub), einen dicken Schleimbeutel am Ellenbogen und am Ende hatte es mir durch den Aufprall und die dadurch entstandenen Scherbewegungen das Gewebe von der Faszie getrennt – und zwar auf einer Fläche kurz oberhalb des Knies bis hoch in Richtung des Hüftknochens.

Zu allem Überfluss füllte sich wochenlang der Hohlraum am Oberschenkel mit Serom. Damit man mal ne Vorstellung bekommt… ich hab ja immer ne ironische Schnauze und so sagte ich im Krankenhaus vor der Punktierung zum Arzt scherzhaft:

Ich hab da nen Tetrapack am Bein

Eigentlich war das nur als Spaß gedacht. Ich dachte einfach da wäre noch viel Schwellung dabei. Nun. Bei der ersten Punktierung wurden 492 ml aus dem Bein gezogen. Cool.

Naja. Es ist wie es ist. Ich will nicht jammer. Gehört dazu und ich hatte Glück im Unglück. Dem Autofahrer wünsch ich wenn er mal Hilfe benötigt, dass ihm geholfen wird und er evtl. dann auch froh darüber ist und sein handeln überdenkt.

An die beiden Helfer – auch wenn Ihr das hier nie lesen werdet – vielen vielen Dank! Bei einem konnte ich mich zumindest im Nachgang noch persönlich bedanken *top*

Ich bin raus und wenn Gott oder irgendeine andere Macht es so will sehen wir uns 2026 wieder!

dasFLOSEN Verfasst von:

Meine Name ist Florian. Sternzeit -338000.22768670303. Der Nerd der "Familie Schickischmi". Beruflich bin ich technikbegeisterter Papiervernichter. Privat natürlich ebenso der Tekkie im Familienuniversum, der aber trotzdem viel Zeit Draussen und beim Knipsen verbringt. Mir kanns nicht kalt und vom Reiseziel nördlich genug sein. Würde ich wählen, würde ich lieber die schorfen Klippen vom Ende der Welt wählen, als irgendeinen Südsee-Strand. Ich nehm also lieber die -20°C als alles über 25°C

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