Immer diese Schnappsideen. Wirklich!
Ein Freund von mir startete 2023 beim 32. Unterallgäuer Triathlon 2023. Sein Bruder und ich standen an diversen Streckenpunkten, schrien uns die Seele aus dem Leib und waren natürlich auch im Ziel am Start – Bier in der einen, Gänsehaut in der anderen Hand.
Obwohl der Triathlon quasi schon immer vor meiner Haustür stattfindet, hatte ich bisher genau zwei Berührungspunkte damit:
- Ich kam wegen Straßensperrungen nicht heim.
- Ich habe mich über Straßensperrungen beschwert.
Ihr merkt… starker Bezug also *lach*. Anyway, am Ende landeten wir zur „Afterparty“ bei mir im Garten an der Feuerschale. Ein paar kühle Getränke später fassten wir alle – nennen wir es mutig – den Entschluss, 2024 selbst teilzunehmen.
Wie das dann eben so ist: Man sagt Dinge und ich für meinen Teil halte diese dann sogar auch ein. So begann also meine Triathlonreise. Wichtig noch zu erwähnen, wir meldeten uns für den Volkstriathlon an. Schließlich sind wir nicht lebensmüde. *lach*
Was heißt das konkret?
- 500 m Schwimmen
- 20 km Radfahren
- 5 km Laufen
Kurz gesagt: Ein sportlicher Vormittag mit Existenzkrise. Also gut. Rein in die wilde Fahrt!
PreShow – Angstschiss und das Gefühl dazu zu gehören
29. Juni 2024. 6:00 Uhr – Wettkampftag. Treffpunkt meiner Freunde zunächst bei mir. Müsli mit Banane habe ich gerade noch so runtergewürgt. Am Abend zuvor bin ich 100-mal mental durchgegangen, ob ich auch wirklich alles eingepackt habe. TriSuite? Check. Helm? Check. Existenzangst? Doppel-Check. *lach*


Wir fahren gemeinsam nach Ottobeuren. Ein inoffizieller Treffpunkt um später gemeinsam zum Wettkampfstartort nach Attenhausen an den Baggersee zu fahren. Dort angekommen waren wir die Ersten. Wir waren wohl ein wenig nervös gewesen. Nach ein paar Minuten trudeln alle ein, dann gings los. Eine Ansammlung an Triathleten rollen als Gruppe Richtung Wettkampfstätte. Ich mittendrin. Fühlt sich irgendwie gut an. Man gehört dazu – auch wenn man sich selbst als sportliches Kanonenfutter einsortiert.
Die Gruppe? Heimtriathlon-Vibes: Viele bekannte Gesichter. Teilnehmer die ich von sehen her kenne. Teilnehmer die ich seit meiner Kindheit kenne, aber seit 15 oder 20 Jahren keinen wirklichen Kontakt mehr hatte und auch Teilnehmer mit denen man zwar immer mal wieder Kontakt hatte, aber von denen man nicht wusste was das für Maschinen sind bzw. geworden sind. Verrückt. Von einem kam dann die Frage an mich:
„Was DU hier? Machst auch mit?!“
Meine Antwort darauf: „Ja. Ich hier. Ich hab mich freiwillig auf die Schlachtbank gelegt.“
Aber um ehrlich zu sein, an diesem Tag war jeder ein Held. Selbst wenn ich im Orchester nur die kleinste Flöte spiele. Egal, weiter im Text. Gemeinsame Fahrt – noch nie gingen 8 km von Ottobeuren nach Attenhausen so locker. Adrenalin ist halt auch ein Performance-Booster.

In Attenhausen angekommen: Trubel. Hektik. Nervosität. Aber ich muss aus sagen, es war schon ein geiles Gefühl dort als Gruppe einzufahren. Nach einem kurzen Einchecken und Bikecheck richtete ich meinen Wechselplatz ein – exakt so, wie ich es eine Woche lang auf dem Küchenboden geprobt habe. Reihenfolge ist alles. Das ist kein Sport mehr, das ist Systemarchitektur *lach*.
Danach gabs ein offizielles Briefing. Neo durfte nicht getragen werden da es zu warm war. Verkehrsinseln sind – trotz Absperrung – auch rechts zu umfahren außer wenn man dadurch einen Unfall vermeidet. Kein Windschatten usw. Ich kannte die Statuten, da ich sie gefühlt 100x davor durchgelesen hatte. Was man halt eben die Wochen davor so machte wenn es der erste Wettkampf für einen ist. Dann gings an den See.
185 Teilnehmer. Ich mittendrin. Jetzt wurd’s ernst ernst.
Schwimmen – Überleben im Ententeich
In diesem Jahr lief es im Gegensatz zum Jahr davor – als wir noch als Zuschauer da waren – etwas anders. Hochwasser, gesperrte Seen wegen Blaualgen, Zitterpartie bis kurz vor dem Start. Eine Woche vorher war noch unklar, ob überhaupt geschwommen wird oder ob ein Duathlon daraus gemacht wird (Radfahren, Laufen, Radfahren, Laufen).

Zuschauer durften nicht wirklich mit runter ans Ufer – alles unter Wasser. Also Wasserstart im Nebensee.
Ich positioniere mich ganz hinten. Schließlich habe ich zwölf Monate exakt NULL Meter trainiert. Brustschwimmen war von Anfang an gesetzt. Kraulen? Vielleicht 2027.
Countdown.
3.
2.
1.
PENG.
Ich schwimme los. Gechillt. Zu viel Gewusel vor mir. Ich checke sowieso nichts da ich mehr oder weniger damit beschäftigt bin kein Körperteil abzubekommen.
Erste Erkenntnis: Es schwimmen noch mehr Brust. *yeeehaw*
Zweite Erkenntnis: Die Wendeboje ist gefühlt in Österreich.
Es zog sich quasi bis zur Unendlichkeit bis ich überhaupt mal in die Nähe der Boje kam. Mein Puls schoss schon in die Höhe und ich ring mehr oder weniger nach Luft. Brustschwimmen mit „Kopf-unter-Wasser“ war zu Beginn nicht möglich. Ging ja schon gut los…

Irgendwann die erste Boje. Ich höre irgendwann kurz davor schon den Startschuss der zweiten Gruppe. 50 Meter später überholt mich die erste Badekappe. Richtig geiles Gefühl sag ich Euch!
Kurz vor dem Ausstieg schwimmt neben mir ein älterer Teilnehmer. Ganz ruhig. Dreht sich zu mir:
„Und? Packst es noch? Alles gut?“
Ich: „Ja, alles gut!“
Er vernahm wohl mein Atmen und ggf. hab ich auch etwas geflucht manchmal *lach*. Aber ja, es war alles gut. Trotzdem muss ich gestehen, ich war am Anschlag. Noch nie zuvor bin ich so eine Strecke so schnell mit Brust geschwommen. Für meine Verhältnisse war ich also im Torpedomodus unterwegs! Adrenalin macht’s möglich.
Dann kam der Ausstieg. Ich griff die Hand die mir entgegengestreckt wurde. Der Helfer gab mir nochmal einen Push. Als 162. von 185 bin ich am Ende aus dem Wasser. Nicht ertrunken. Ich war stolz. *lach*
Ab jetzt durfte der Triathlon für mich somit offiziell beginnen.
Radfahren – Kannibalenmodus aktiviert
Mein Safespot sollte also erreicht sein. Radfahren. Das kann ich zumindest irgendwie. Bis dato war ich zwar überwiegend nur MTB-Fahrer, aber zwei Monate vor dem Triathlon kaufte ich mir ein Cyclocross. Gravel war zu teuer, Rennrad war Neuland. Also Crosser als Kompromiss. Kompromisse sind immer gut.
Ich tauschte ein paar Wochen davor die Kettenblätter von 52/38 auf 50/36 – beste Entscheidung ever. Unsere Allgäuer Hügel verzeihen keine falsche Übersetzung und gerade als Lauch hat man einen Rettungsanker.
Aber wo waren wir? Genau, auf dem Weg zum ersten Wechsel. Aus dem Wasser raus – rein in die Wechselzone. Natürlich erstmal an meinem Rad vorbeigelaufen. Startnummer vergessen. Klassischer Layer-8-Fehler. Zum Glück brüllten Frau und andere Freunde laut genug und ich musste nur eine Reihe zurücklaufen.

Also, Rad geschnappt und mit Babypuder in den Socken – absoluter Gamechanger bei nassen Beinen – diese übergezogen. Der Rest? Kein Umziehen nötig dank Tri-Suit. Gute Entscheidung den mir noch zu holen, obwohl es ein absoluter Amazon-Billiganzug war. Nach etwa 3-5 Minuten raus aus der Wechselzone rein in den Kannibalenmodus.
Einer der Feuerschalenfreunde kam mit der 38.-schnellsten Schwimmzeit aus dem Wasser – absolut irre. Ich wusste jedoch: Auf dem Rad kann ich Zeit gutmachen.
Ein paar KM nach dem Start am See ging es in den ersten Anstieg – mein Hausberg hoch nach Stephansried. Ich kenne jede Kurve, jede Welle, jeden fiesen letzten Meter. Oben raus ist er ein richtiger Arsch. Zudem ist die Anfahrt recht tückisch. Ein KM davor geht es schon bergauf. Man neigt dazu viel zu früh in einen kleinen Gang zu schalten. Oben raus verschlechterte sich zudem der Asphalt und man sollte hier bewusst eine bestimmte Seite wählen.

Quelle: https://climbfinder.com/de/anstiege/stephansried-hawangen
Aber ich war fokussiert. Der Anstieg lief gut. Sehr gut sogar, denn ich konnte mich einige Plätze nach vorne arbeiten. Wie viele? Keine Ahnung. Volkstriathlon und Staffel mischten sich.
Es folgte eine erste Abfahrt. Diese gehe ich immer konservativ an, da ich als Kind mal schwer vom Rad gefallen war bergab. Trotzdem, es überholte mich niemand *yeeehaw* . Nun folgt eine längere Flachpassage. Zwar immer leicht ansteigend aber nichts wildes.
In einem Waldstück nach Attenhausen vor mir ein Neonlenker. Das ist er. Der Schwimmheld. Bei KM 13 im Wald ziehe ich an ihm vorbei.

Knapp 4 Minuten hab ich bis dahin also gut gemacht in der kurzen Strecke. Ich schrie von Hinten noch
Los Chris, auf gehts! Bleib drann!
Kurz darauf ging’s in den nächsten Anstieg. Bergwertung. Finaler Anstieg vor dem Laufen. Nochmals alles reinwerfen.

Ich kam gut rein, hatte auf etwa der Mitte einen „Verschalter“ der mir ein wenig den Schwung nahm.

Trotzdem war ich zufrieden. Der Rettungsanker, bzw. das 36er Ritzel hat sich gelohnt!

Von 185. Startern also Platz 109 in der Bergwertung. Wow! Danach folgte nochmals eine längere Abfahrt bevor es nach Ottobeuren in Richtung Stadion und letzte Wechselzone ging. Das Laufen stand an. Also, Gel rein. Trinken nicht vergessen. Eigentlich wollte ich drei Gels nehmen. Wurden dann… eins. Klassiker.
In der Wechselzone angekommen musste ich kurz paar Sekunden warten, weil keiner da war um mein Rad entgegen zu nehmen. Waren aber wirklich nur so 5 Sekunden. No Hate, es war Mörder viel Betrieb. Am Ende war es Platz 138 von 185 beim Radfahren. Nicht schlecht!
Laufen – Death Valley Unterallgäu Edition
Natürlich wieder erstmal am eigenen Beutel vorbeigerannt. Dieses Mal schrien mich Mutter und Schwester eines Kumpels an. Support Level: 9000. Der Wechsel verlief aber dann reibungslos und recht schnell. Ich war total fokussiert und fühlte mich erstaunlich gut. Kaum schwammige Beine. Somit, rein in die Schuhe und raus aus dem Stadion. 5 km standen an.

Kaum draußen – Krampf. Linke Wade. „Willst Du mich jetzt verarschen?“ dachte ich mir. Ich bin dann ein paar Schritte gegangen und der Krampf löste sich. Weiter gehts!
Mittlerweile dürfte es 10:30/11:00 Uhr gewesen sein. Wolkenlos. Der Wendepunkt befindet sich im Wald. Auf dem Weg dorthin zwischen Stadion und Wald aber eine weite, fast 1,5KM lange Feldpassage ohne Schatten. Die Luft stand. Kein Koppeltraining vorher. Erste Erfahrung: Rad + Laufen fühlt sich an wie zunächst Laufen auf Wackelpudding und danach Beine aus Beton.
Obwohl ich die Strecke blind kenne – meine Hausrunde – bekam ich auf diesem Stück dort kaum Luft. Alles was ich mir im Laufen vorgenommen hatte war quasi für die Katz *mau*. Im Wald wurde es dann etwas kühler. Aber die Wende kam einfach nicht. Es zog sich und zog sich. Ich konnte die ersten 1,5 KM etwa auch mit einer kleinen Gruppe mitlaufen und musste dann jedoch abreisen lassen.
Endlich. Wende – 2,5 km geschafft. Rückweg. Nach etwa einem Kilometer kommt mir der Schwimmheld wieder entgegen. Sieht auch nicht frischer aus. Wir motivieren uns am Vorbeilaufen kurz selber mit Blicken und einem Satz.

Mein Ziel war um oder gar unter 30 Minuten auf 5KM. Im Training davor war ich schon auf 28 Minuten gelaufen. Keine Chance! Die Anstrengung war zu viel, der Krampf hat auch noch seinen Teil dazu beigetragen und die Hitze schlug voll durch. Realität: 33,5 Minuten. Ne Minute davor Einlauf ins Stadion.

Ich gab nochmals Vollgas. 300M noch, alles raus was geht!
FINISH!
BÄM!
Ergebnis & Fazit
Ich habe tatsächlich einen Triathlon gefinished. Das hätte ich mir vor ein paar Jahren niemals zugetraut.


Die Atmosphäre? Brutal! Überall wirst Du angefeuert, egal was Du für einen Platz hast. Am Ende war mein Ziel nicht Letzter zu werden. Ich wurde 160. von 185 Teilnehmern!

Ergebnisse: https://www.datasport.de/anmeldeservice/unterallgaeuertriathlon2024/ergebnisse
Urkunde gabs natürlich auch:
Wir blieben noch kurz zur Siegerehrung und dann ging’s wieder zu uns in den Garten. Afterparty *ziwnker*
Afterparty & Evolution
Nun. Erstaunlicherweise brauchte es dieses Mal weniger Kaltgetränke, um wieder mutige Entscheidungen zu treffen.

Konkret heisst das: 2025 sind wir wieder dabei. Wir wollen kraulen lernen um auch mit den größeren endlich Pinkeln gehen zu können. Der Schwimmkurs ist gebucht. Und ich? Rennrad statt Crosser. Die Evolution beginnt. Man sieht sich 2025 am See, auf der Strecke oder im Stadion *wink*

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